Das Wichtigste in Kürze
- Ein plötzlich unzuverlässiger Rückruf beim Junghund ist meist keine Trainingsschwäche, sondern eine vorübergehende Entwicklungsphase.
- Der wirksamste Weg ist, die Anforderungen kurzfristig zu senken, statt den Rückruf mit mehr Druck erzwingen zu wollen.
- Management über Leine oder Schleppleine ist in dieser Zeit kein Rückschritt, sondern die verantwortungsvollere Wahl.
- Die Phase geht vorbei — Geduld und Konsequenz bringen hier mehr als zusätzlicher Trainingsdruck.
Kein Trainingsversagen, sondern eine Entwicklungsphase
Viele Hunde durchlaufen zwischen der Welpenzeit und dem erwachsenen Alter eine Phase, in der Verhalten und Ansprechbarkeit spürbar schwanken können — im allgemeinen Sprachgebrauch oft „Pubertät" oder „Flegelphase" genannt. Ein genauer, für alle Hunde gültiger Zeitraum lässt sich seriös nicht angeben, da sich das von Hund zu Hund und je nach Rasse unterscheidet.
Wichtig ist vor allem die Einordnung: Reagiert ein Hund, der den Rückruf vorher zuverlässig beherrscht hat, plötzlich deutlich unsicherer, ist das in aller Regel kein Zeichen dafür, dass das bisherige Training falsch war. Es lohnt sich, die Erwartungen für diese Zeit bewusst anzupassen, statt am gewohnten Anspruch festzuhalten.
Abgrenzung: Warum das etwas anderes ist als „normale" Rückrufprobleme
Nicht jeder unzuverlässige Rückruf hat dieselbe Ursache. Wird ein Signal von Anfang an nicht sauber verstanden, hilft der Grundlagenaufbau unter Rückrufsignal aufbauen. Geht es um das gezielte Steigern von Umgebungsreizen, ist Rückruf unter Ablenkung die passende Vertiefung, und eine Übersicht klassischer Handwerksfehler findest du unter typische Rückruf-Fehler.
Diese Seite hier behandelt einen anderen Fall: einen Rückruf, der bereits nachweislich funktioniert hat und der jetzt, ohne erkennbare Trainingslücke, plötzlich schwankt. Auch starker Jagdtrieb ist eine eigene Ursache mit eigener Mechanik und wird dort gesondert behandelt.
Trainingsstrategie für diese Phase
Der wirksamste Ansatz ist selten, den Rückruf mit mehr Nachdruck durchsetzen zu wollen. Bewährt hat sich stattdessen, das Anspruchsniveau bewusst zu senken und von dort aus neu aufzubauen:
- 1
Anforderungen kurzfristig senken
Geh bewusst einen Schritt zurück: kürzere Distanzen, ruhigere Umgebungen, weniger Ablenkung als zuletzt. Ziel ist erst einmal wieder eine hohe Erfolgsquote, nicht das bisherige Niveau zu halten.
- 2
Unter leichten Bedingungen festigen
Wiederhole den Rückruf dort, wo er zuverlässig klappt, und belohne spürbar. So bleibt das Signal insgesamt positiv besetzt, auch wenn draußen gerade nicht alles rundläuft.
- 3
Ablenkung erneut schrittweise steigern
Erhöhe Distanz und Reize wieder in kleinen Schritten, ähnlich wie beim ursprünglichen Aufbau. Es ist normal, dass das in dieser Phase länger dauert oder zwischenzeitlich wieder Rückschritte macht.
- 4
Leine dort einsetzen, wo es noch nicht zuverlässig klappt
Ist der Rückruf in einer bestimmten Umgebung oder bei bestimmten Reizen noch nicht sicher, sichere diese Situationen bewusst mit Leine oder Schleppleine, statt es auf einen Versuch ankommen zu lassen.
Warum weniger Anspruch hier mehr bringt
Ein Rückruf, der wiederholt ins Leere läuft, schwächt sich selbst — unabhängig davon, warum der Hund gerade nicht reagiert. Wer die Anforderungen rechtzeitig senkt, verhindert genau diese zusätzliche Schwächung und hat eine deutlich bessere Ausgangslage, sobald die Phase nachlässt.
Der 7-Tage-Rückruf-Trainingsplan
Der Plan hilft dir dabei, den Rückruf strukturiert und mit realistischen Etappen wieder zu festigen, direkt per E-Mail.
Management: Leine und Schleppleine, solange es nötig ist
Sicherung ist kein Rückschritt
Ist der Rückruf in einer bestimmten Situation gerade nicht zuverlässig, ist die Schleppleine oder die feste Leine die verantwortungsvollere Wahl gegenüber einem Freilauf-Versuch auf gut Glück. Das gilt unabhängig davon, wie gut der Rückruf vor Kurzem noch funktioniert hat — der aktuelle, tatsächliche Trainingsstand zählt, nicht der Stand von vor ein paar Wochen.
Typische Fehler aus Frust
- Lauteres oder schärferes Rufen, in der Annahme, mehr Nachdruck würde das Problem lösen — meist ohne Wirkung auf die eigentliche Ursache.
- Strafe nach dem verspäteten Kommen, etwa Schimpfen, sobald der Hund endlich da ist. Das verknüpft das Kommen selbst mit etwas Unangenehmem.
- Trotzdem Freilauf „ausprobieren", obwohl der Rückruf zuletzt mehrfach nicht geklappt hat — das Risiko steigt, ohne dass daraus ein Trainingsfortschritt entsteht.
- Komplettes Pausieren des Trainings, aus Frustration. Auch in dieser Phase hilft regelmäßiges, angepasstes Üben mehr als eine lange Trainingspause.
Nicht lauter rufen, sondern leiser werden: weniger Anspruch, mehr Konsequenz.
Realistische Erwartungen
Diese Phase vergeht in aller Regel wieder, auch wenn sich das mittendrin oft nicht so anfühlt. Eine feste Garantie, wann genau sich das Verhalten wieder stabilisiert, gibt es nicht — Geduld und ein konsequent angepasstes Training bringen hier erfahrungsgemäß mehr als der Versuch, das bisherige Niveau mit Druck zu erzwingen. Sitzt der Rückruf im Anschluss wieder zuverlässig, lässt sich die Ablenkung ganz normal wieder Schritt für Schritt steigern, wie im Ablenkungstraining beschrieben.
Häufige Fragen zum Rückruf in der Pubertät
Wie lange dauert diese Phase?
Das lässt sich seriös nicht auf einen festen Zeitraum festlegen, es unterscheidet sich von Hund zu Hund. Wichtiger als ein genaues Datum ist, in dieser Zeit die Erwartungen anzupassen und dranzubleiben.
Habe ich beim Grundtraining etwas falsch gemacht?
Nicht zwangsläufig. Auch ein sauber aufgebautes Rückrufsignal kann in dieser Entwicklungsphase vorübergehend unzuverlässiger wirken. Das ist ein Hinweis, die Anforderungen kurzfristig zu senken, kein Beleg für einen Fehler im bisherigen Training.
Sollte ich strenger werden, damit mein Hund wieder hört?
Davon ist eher abzuraten. Mehr Druck oder Strafe verändert die Ursache nicht und kann das Signal zusätzlich negativ besetzen. Sinnvoller ist, die Anforderungen zu senken und das Training gezielt wieder aufzubauen.
Wann sollte ich zusätzlich professionelle Unterstützung suchen?
Wenn sich das Verhalten insgesamt stark verändert, dein Hund ängstlich wirkt oder du unsicher bist, ob mehr dahintersteckt als diese Entwicklungsphase, ist eine persönliche Einschätzung durch eine qualifizierte Hundetrainerin sinnvoller als reines Abwarten.
Wer steckt hinter diesem Ratgeber?
Dieser Ratgeber entsteht redaktionell im Team von Die Online Hundeschule — auf Basis geprüfter Trainingsprinzipien, sorgfältig recherchiert statt aus einer einzelnen Quelle übernommen. Wir erfinden keine Studien, Zitate oder Expertenmeinungen. Bei fachlich heiklen Themen wie Angst, Aggression oder gesundheitlichen Ursachen verweisen wir auf qualifizierte Hundetrainer:innen, Verhaltensexpert:innen oder Tierärzt:innen, statt eine Ferndiagnose zu ersetzen.
Weitere Themen im Rückruf-Cluster
Dieser Ratgeber ist Teil des größeren Rückruf-Bereichs.
Lieber mit einem vollständigen Rückruf-Training arbeiten?
Wenn du beim Rückruf lieber Schritt für Schritt mit einem strukturierten Trainingsprogramm arbeiten möchtest, kannst du dir hier das Rückruf-Training der Online-Hundeschule ansehen.
